Ziel des World Mental Health Day (Deutsch: Welttag der mentalen Gesundheit) ist es, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren und Betroffene sowie deren Bekanntenkreis über mögliche Hilfsangebote aufzuklären. Jedes Jahr steht der 10. Oktober unter einem anderen Titel. Der diesjährige World Mental Health Day ist der Suizidprävention gewidmet, was Anlass für diesen persönlichen Erfahrungsbericht gewesen ist.

Inhaltsübersicht

World Mental Health Day 2019

Der diesjährige World Mental Health Day steht ganz im Zeichen der Suizidprävention. Weltweit stirbt alle 40 Sekunden ein Mensch durch Suizid. In der Schweiz sind es zwei bis drei Personen täglich. Dazu wurde in der Gesundheitsbefragung 2017 festgestellt, dass im Jahr 2016 rund 33‘000 Personen versuchten, sich das Leben zu nehmen. Betroffene sind oft auch nach einem Suizidversuch noch Jahre später psychisch belastet und leiden zusätzlich doppelt so oft an körperlichen Beschwerden. Darüber reden zu können und wissen, wo sich Betroffene und Angehörige Hilfe holen können, sind zwei wichtige Schritte in der Suizidprävention.

Persönlicher Erfahrungsbericht

Suizid ist und war für mich nie ein Tabu-Thema, denn meine Mutter hatte kein Geheimnis aus ihrem Suizidversuch gemacht: Als ich 4 Jahre alt war, hat sie mit Tabletten versucht ihr Leben zu beenden. Anschliessend wurde sie in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich die Küchentücher mit Stickereien verziert habe, welche sie dort – wohl als Therapie – verordnet bekommen hatte. Der offene Umgang meiner Mutter mit dem Thema Suizid hatte für mich zwei Konsequenzen. Einerseits wurde es für mich zu einem Thema, worüber ich ohne Scham sprechen konnte. Andererseits assoziierte ich das Thema aufgrund des richterlichen Entscheids im Scheidungsverfahren meiner Eltern mit einem gesellschaftlichen Stigma, welches fatale Folgen nach sich zieht. Denn meine Mutter hatte mehrfach erfolglos versucht, das Sorgerecht für mich und meinen älteren Bruder zugesprochen zu bekommen.

Mein Learning aus dieser traurigen Geschichte war zum einen, dass ich meinem eigenen Verlangen nach dem Tod nur dann nachgeben würde, wenn ich zu 100% sicher sein konnte, dass der Versuch auch in einem Erfolg enden würde oder das Ganze wie ein Unfall aussehen würde. Zum anderen war klar, dass ich über meine Suizidgedanken nur mit Menschen sprechen durfte, welche mein Geheimnis wahren würden. Da ich es gar nie anders kannte, dachte ich, dass ich ein Leben lang mit diesen Gedanken zu Recht kommen müsste. Doch glücklicherweise bin ich im Alter von 25 Jahren einer Psychologin begegnet, die mir dabei helfen konnte, mein Leben innerlich um 180 Grad zu drehen. An dieser Stelle ein ganz 💗-liches Dankeschön an Maria Suarez, welche mein Leben auf sehr unerwartete Weise verändert hatte und auch diesen Erfahrungsbericht überhaupt erst ermöglichte!

Echte Hilfe existiert also wirklich, auch wenn Suizidgedanken Ihnen oder einem Ihrer geliebten Menschen etwas anderes erzählen. Sprechen Sie deshalb über Ihre Gedanken und Gefühle, wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld lebensmüde ist.

World Mental Health Day 2019:
Reden kann retten! Sprechen Sie deshalb über Suizidgedanken

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